Saisonrückblick

Ein Gastbeitrag von Yannik.

Die Saison hätte aus Sicht eines Kölners kaum schlechter laufen können: Der 1. FC Köln ist nach vierjähriger Erstklassigkeit erneut abgestiegen, im Gegensatz dazu gelang Fortuna Düsseldorf nach 15 Jahren die Rückkehr in die Bundesliga und Borussia Mönchengladbach zum ersten Mal seit 1995 der Einzug in den Europapokal. Die Nationalelf ist trotz guter Leistungen im EM-Halbfinale ausgeschieden, stattdessen konnte Spanien nach der EM 2008 und der WM 2010 das dritte große Turnier hintereinander gewinnen.

Absturz in der Rückrunde

Dabei sah es zu Beginn gar nicht so schlecht aus: Der FC stand nach der Hinrunde auf dem 10. Platz mit nur 2 Punkten Rückstand auf einen Platz, der zur Teilnahme an der Europa League berechtigt. Das kleine Derby in Leverkusen konnte mit 4:1 gewonnen werden, Lukas Podolski hatte bereits 13 Tore geschossen und man träumte wieder von internationalem Fußball auf der richtigen Rheinseite. Leider wurde daraus nichts, weil die Leistung der Mannschaft in der Rückserie stark nachgelassen hat. Trotz aller Bemühungen muss man daher den Verlauf der Saison von Jahresbeginn an als völlig enttäuschend bezeichnen, konnten in dieser Zeit doch nur 9 Punkte geholt werden.

Der Boulevard verbreitet Todesangst

Zusätzlich zum sportlichen Misserfolg kam auch noch der Ärger über den DFB: Der Verband sprach viele überzogene Kollektivstrafen gegen Fußballfans aus, wie z.B. den Teilausschluss beim ersten FC-Heimspiel der neuen Saison gegen den SV Sandhausen aufgrund der Geschehnisse vom Abstiegsspiel, über die ich hier schon berichtet habe.

Dieses Vorgehen des DFB soll wohl nun gängige Praxis werden, immerhin haben gleich neun Vereine ähnliche Strafen erhalten. So soll u.a. das erste Heimspiel von Fortuna Düsseldorf (ausgerechnet gegen Gladbach) vor leeren Rängen stattfinden. Allein die Tatsache, dass damit auch die Gladbacher bestraft werden, die mit dem Vorfall, wegen dem die Strafe erfolgt, überhaupt nichts zu tun haben, ist beschämend und spricht eindeutig gegen ein Geisterspiel.

Beschämend war auch die „Berichterstattung“ über die Ereignisse. Aus Otto-Normal-Fans (u.a. Frauen und Kindern), die freudestrunken den Platz stürmten, weil sie dachten, das Spiel sei vorbei, wurden plötzlich Hooligans, die die Spieler in „Todesangst“ versetzt haben sollen.

Auch in Köln wird leider sehr undifferenziert auf vergangene Ereignisse geschaut: Aufgrund eines Angriffs auf einen Gladbacher Fanbus, bei dem Mitglieder der Wilden Horde beteiligt waren, wurde der gesamten Gruppe der Fanclub-Status entzogen. Obwohl die WH daraufhin kurzzeitig ihre Aktivitäten im Stadion eingestellt hatte, wurde ihr auch der Platzsturm im letzten Spiel in die Schuhe geschoben – erschreckenderweise von anderen „Fans“ aus der Südkurve, die ansonsten so selten wie möglich den Mund aufmachen, wenn es darum geht, den Verein anzufeuern. Hier sieht man den Einfluss des Kölner Boulevards auf den Durchschnittsbürger.

Party-Patriotismus und die Eskalation der Gewalt

Die Medien verstricken sich in Widersprüche, wenn es um Fangewalt geht: Einerseits werden Pyrotechnik, Platzstürme und Gewalt vereinfacht als „Randale“ zusammengefasst, man spricht von einer Eskalation der Gewalt. Andererseits bezeichnet die BILD es schlichtweg als „Fan-Wut“, wenn deutsche Fans ein Italienisches Restaurant überfallen, was ein Euphemismus für eine Tat ist, die nicht aus einer Emotion aufgrund eines verlorenen Fußballspiels heraus geschieht, sondern rassistisch motiviert ist. Überhaupt wird ziemlich wenig über das üble Auftreten der deutschen Fans im Rahmen der EM berichtet, stattdessen wird ein Bild des „Party-Patriotismus“ vermittelt, während in Wahrheit z.B. das Public Viewing in der Kölnarena geschlossen werden musste – aufgrund von Pyrotechnik, wie die Presse schrieb. Dass es dort im 5-Minuten-Takt zu Schlägereien kam und zudem Reichsfahnen gehisst wurden, spielte wohl nur eine untergeordnete Rolle.

Wann immer man den bei jedem großen Turnier aufkommenden Patriotismus kritisiert, bekommt man das Argument zu hören, dass man in Deutschland aufgrund der Geschichte zu verkrampft mit dem Thema umgeht, Nationalstolz tabuisiert. Dabei ist mir anhand der Reaktionen aufgefallen, dass eine Kritik am „schwarz-rot-geilen“ EM-Fieber scheinbar auch ein Tabubruch ist.

Keine Tabus kennt hingegen Innenminister Hans-Peter Friedrich (CSU). Er kritisierte allen Ernstes Reinhard Rauball dafür, sich klar für den Erhalt von Stehplätzen ausgesprochen zu haben, weil man alle Möglichkeiten durchspielen müsse. Genährt durch die Medienhetze ist nämlich auch die Politik auf den fahrenden Zug aufgesprungen, dass „endlich etwas getan werden muss“ gegen die zunehmende Gewalt, die es laut Statistiken gar nicht gibt. Es spielt den Politikern nämlich in die Karten, wenn ein Großteil der Bevölkerung glaubt, dass es ein Sicherheitsproblem gibt, da man in Fußballstadien neue Überwachungsmethoden wie z.B. INDECT austesten kann. Die Aushöhlung der Grundrechte wird in der Gesellschaft zwar spätestens seit dem Aufstieg der Piraten durchaus kritisch beäugt, jedoch wird immer noch unterschieden zwischen Fan- und Bürgerrechten.

Überhaupt wird fanpolitischen Themen wenig Beachtung geschenkt, dabei hängen diese meist mit gesamtgesellschaftlichen Problemen zusammen, so z.B. die Kommerzialisierung des Fußballsports, die sich mit der Gentrifizierung eines Szeneviertels vergleichen lässt. Der harte Kern der Fans wird durch Material- und Stadionverbote vertrieben, stattdessen werden Business-Logen gebaut, um den Fußball auch für gehobene Schichten zugänglich zu machen. Aus Fans werden Konsumenten, aus dem Volkssport Fußball ein Geschäftsmodell. Das machte sich dieses Jahr bemerkbar durch den Champions League-Sieg des FC Chelsea und den Triumph von Manchester City in der Englischen Liga.

Aufstiegsfeier 2013?

Positiv bleibt aus FC-Sicht zu vermerken, dass alle Entscheidungsträger und ein Großteil des Kaders, also die Hauptverantwortlichen für die sportliche Misere beim FC, ihren Hut nahmen bzw. aussortiert wurden und mit Werner Spinner ein würdiger Präsident gewählt sowie mit Holger Stanislawski ein erfahrener Trainer verpflichtet wurde. Das macht Hoffnung auf Besserung, denn als Kölner ist man ja von Natur aus Optimist. Auf Facebook wurde bereits die Veranstaltung „Aufstiegsfeier 2013“ gegründet, und auch wenn der sofortige Wiederaufstieg nicht als Ziel ausgegeben wurde, hoffe ich, dass mit dem strukturellen Umbruch auch der sportliche Erfolg wiederkehrt und wir am Ende der nächsten Saison mal wieder einen Grund zu Feiern haben.

Dumme Legojungen seid ihr!

Was bist du nur für ein Vollidiot? Das spiel zwischen F95 und Hertha muss auf jeden fall wiederholt werden??? Was wäre denn dann??? Dann könnten alle Fans deren Mannschaft zurückliegt das Spielfeld stürmen und so ein Wiederholungsspiel erzwingen. Du hast keine Ahnung du dummer junge. Spiel mit Lego aber mach hier nicht auf intelligent. Was für eine Blamage. Kann mich nur fremdschämen wenn ich sowas lese

Diese Nachricht von Nadja C. (Name von der Redaktion geändert) erreichte uns bereits Freitag auf Facebook. Leidenschafftliebe ist der Meinung, dass sie das Recht hat veröffentlicht und mit einem Kommentar versehen zu werden.

Liebe Nadja,
zuerst einmal möchte ich dir in der Sache antworten. Dein einziges Argument gegen ein Wiederholungsspiel ist, dass zukünftig „Fans deren Mannschaft zurückliegt das Spielfeld stürmen und so ein Wiederholungsspiel erzwingen könnten“. Im Umkehrschluss bedeutet das aber auch, dass ein Spiel unter noch so irregulären Bedingungen stattfinden darf, ohne dass es wiederholt wird. Fans dürfen also das Spielfeld stürmen, Eckfahnen und Elfmeterpunkte dürfen fehlen, vielleich dürfen sogar Tore umgeschmissen werden. Und das alles ohne Konsequenz? Sicherlich kann man argumentieren, dass der Schiedsrichter entscheidet ob ein Spiel fortgestetzt wird. In diesem Fall hat aber der Schiedsrichter zugegeben nicht gesehen zu haben, dass Eckfahne und Elfmeterpunkt fehlen. Ein klassisches Beispiel für eine mögliche nachträgliche Bestrafung.

Außerdem ist es sicherlich unumstritten, dass Spieler nach einer so langen Unterbrechung in ihrer Konzentration gestört sind. Ich halte es für absoluten Quatsch, dass Berliner Spieler Angst hatten. Diese Argumentation der Berliner ist absurd. Die Fans auf dem Platz waren friedlich. Aber das spielt auch gar keine Rolle. Vielleicht hätte Berlin ohne Unterbechung noch ein Tor erzielen können. Meiner Meinung nach nicht unwahrscheinlich und zumindest möglich. Allein diese Möglichkeit macht ein Wiederholungsspiel nötig.

Ich könnte meine Argumente noch ewig weiter ausführen. Aber das soll erstmal reichen. Vielleicht kannst du meine Meinung so nachvollziehen. Du musst sie nicht teilen, aber zumindest akzeptieren, dass es unterschiediche Meinungen gibt.

„Jeder hat das Recht, seine Meinung in Wort, Schrift und Bild frei zu äußern und zu verbreiten […].“

Grundgesetz, Artikel 5, Absatz 1

Wir würden uns freuen, wenn du in Zukunft deine Kritik öffentlich und ohne Bleidigungen kundtun würdest. So kann dann auch eine Diskussion entstehen und vielleicht kannst du jemanden von deiner Meinung überzeugen oder selbst von einer anderen Meinung überzeugt werden.
Liebe Grüße
leidenschafftliebe

P.S.: Die Antwort auf deine Nachricht hat leider etwas länger gebraucht. Wir waren über das Wochenende mit einem kniffligen Lego-Projekt beschäftigt.

Meine Stimme gegen die der ganzen Talkshow-nation!

Worüber soll ich mich heute zuerst aufregen? Über die skandalösen Talkshows um Plasberg und Maischberger? Über die darin auftretenden Gäste? Speziell über Kerner, den Experten für alles mit „spektakulären“ Live-Experimenten? Oder doch lieber über die DFB-Mafia, die sich mit ihren Gerichten, die den Namen Gericht nicht verdienen, eine eigene Begriff von Gerechtigkeit konstruiert? Eigentlich wollte ich zu allen diesen Themen eigene Artikel verfassen. Stattdessen beschränke ich mich hier auf zwei kurze Statements, die alles zusammenfassen sollen.

1. Das Spiel zwischen Düsseldorf und Berlin muss selbstverständlich wiederholt werden. Da gibt es auch gar nichts zu diskutieren. Ein Spiel, das – auch wenn es nur 2 Minuten waren – mit hunderten Fans direkt neben der Spielfeldbegrenzung, fehlenden Eckfahnen und Elfmeterpunkten stattfand, ist natürlich nicht regulär zu Ende gegangen. Überhaupt gar keine Frage. Dabei spielt es auch keine Rolle, ob die Düsseldorfer Fans aggressiv den Platz stürmten oder nur feiern wollten. Es spielt auch keine Rolle wie sich die Berliner Spieler danach verhalten haben. Und natürlich spielt es auch keine Rolle, ob Düsseldorf es verdient hat aufzusteigen oder nicht. Der DFB versteckt sich hier wieder einmal hinter seinem Totschlagargument der Tatsachenentscheidung und versucht einen Präzedenzfall zu verhindern. Dies ist schlicht und ergreifend unfair und nicht im Sinne des Sports. Schade, dass Berlin nicht bereit ist bis vor den internationalen Sportgerichtshof zu ziehen.

2. Talkshows wie wir sie diese Woche gesehen haben gehören verboten! Hier findet eine absolut populistisch, absurde und völlig konstruierte, schlicht und ergreifend falsche Darstellung des Fußballs statt. Da werden Dinge behauptet die einfach nicht stimmen, kommen Leute zu Wort die einfach keine Ahnung vom Thema haben, wird einfach nicht diskutiert sondern nur Selbstdarstellung geübt. Kerner, als bestes Beispiel, zündelt „unter Lebensgefahr“ mit einem brennenden Bengalo an einer Plastikjacke herum und wundert sich, dass diese anfängt zu brennen. Ok, zwar nichts neues, aber hauptsache spektakulär. Das ist die Berufsauffassung eines Mannes der sich Journalist schimpft und zum Retter/Moralapostel/Gutmenschen der Nation aufspielt. Traurig. Gesagt wird zu diesem Thema alles in unnachahmlicher Weise hier, hier oder hier.

Schluss mit Aufregen. Was geht eigentlich hier ab? Leidenschafftliebe sieht ja ganz anders aus. Schick oder? So mit Dom und mit neuem Logo und irgendwie so hell und irgendwie so viel Platz und irgendwie so … hach … einfach schön. Ihr dürft euch auch in nächster Zeit noch auf die ein oder andere Neuerung freuen. Gestartet wurde dieses Projekt im Januar 2009 mit dem ersten Text. Das Thema damals war die Rückkehr des Prinzen nach Köln. Der Prinz ist weg und mit dem neuen Design, gibts hier einen neuen Meilenstein. passt doch irgendwie. Fehlen nur ein paar Worte an Lukas zum Schluss:

„Jung, es tut nicht weh dich im Arsenal-Trikot zu sehen wie die BILD-Zeitung behauptet. Nein, ich bin stolz auf dich wie ein Vater. Du wirst groß und musst jetzt von deinem „Jugendverein“ FC auch mal einen Ausflug in die große weite Welt zu einem tatsächlich großen Verein machen. Find ich gut. Rock die Engländer und zeig denen mal wer die beste linke Klebe hat auf dieser Welt. Und dann in ein paar Jahren kommst du zurück zu uns und spielst einfach noch ein bisschen Fußball mit uns, okay?“